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TREFFPUNKT

ADHS a.s.b.l.

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Presse

Wir fordern bessere Kontinuität in der Behandlung

KLOERTEXT - ADHS BEI JUNGEN ERWACHSENEN


Wir fordern bessere Kontinuität in der Behandlung


Jedes Jahr im Oktober wird für die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sensibilisiert. Sie gehört zur Gruppe der neurologischen Entwicklungsstörungen mit ausgeprägten Selbststeuerungsdefiziten, Verhaltens- und emotionalen Störungen und gilt heute als häufigste neuro-psychiatrische Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen. Es ist weltweit anerkannt, dass sich ADHS bei mehr als 75 Prozent der betroffenen Kinder im Jugendlichen- und Erwachsenenalter fortsetzt. Der Neurologe und Präsident der Dachorganisation der Berufsverbände „Treffpunkt ADHS“, Dr. Robert Thill-Heusbourg weist auf aktuelleProbleme hin.


„Die Wahrscheinlichkeit, im Verlauf des Lebens für eine begrenzte Zeit oder dauernd von ADHS betroffen zu sein, wurde nach Auswertung von umfangreichen Studien auf rund sieben Prozent geschätzt. In den letzten Jahren haben sich die Strukturen für Kinder mit ADHS verbessert, wir stellen aber fest, dass es viele Probleme bei den jungen Erwachsenen, zumal den 17- bis 18-Jährigen, gibt, die im Kindesalter von Dienstleistungen profitieren konnten, die dann nicht mehr verfügbar sind. Das ist umso schlimmer, weil gerade in dem Alter viele mit ihrer schulischen und beruflichen Ausbildung noch nicht fertig sind. Als Konsequenz laufen sie das Risiko des Schulabbruchs, der Entwicklung von Suchtproblemen und des Abrutschens in die Kriminalität.


Zudem werden die meisten der Jugendlichen mit AD(H)S-Symptomen in Kliniken und zu Diensten geschickt, die Erwachsene behandeln. Diese Psychiater und Psychologen kennen meist keine adäquaten ADHS-Trainings- und Behandlungsmöglichkeiten und verstehen auch die Bedürfnisse der jungen Leute von 18+ nicht, die andere sind, was Diagnose und Behandlung angeht. Viele junge Erwachsene werden so gegen eine andere psychische Störung und nicht gegen ADHS behandelt, besonders wenn sie als Jugendliche nicht die Diagnose ADHS bekamen oder bis dahin nicht gegen ADHS behandelt wurden, oft mit schlimmen Folgen.


Zugleich werden die nötigen Medikamente nicht mehr von der Kasse übernommen, wenn sie nicht schon im Kindesalter verschrieben wurden. 200 Euro pro Monat für Medikamente - das stellt viele Eltern oder erst im Erwachsenenalter Betroffene vor finanzielle Probleme. Von den Kosten für psycho-soziale Interventionen, wie einen ADHS-Coach oder Verhaltenstherapie, wenn keine staatlichen Dienste zur Verfügung stehen, ganz zu schweigen. Diese Zwei-Klassen-Medizin ist sachlich und ethisch nicht vertretbar und muss geändert werden.


Wir fordern auch, dass jungen Erwachsenen die multimodalen Therapien angeboten werden, die ihnen als Kindern und Jugendlichen schon zur Verfügung standen. Es müssen zudem adäquate Therapieformen geschaffen werden für die jungen Erwachsenen, die gerade erst die Diagnose ADHS erhielten. Psychiater und Neurologen sollten sich in die ADHS-Symptome bei jungen Leuten einarbeiten, sich aber auch mit den Begleiterkrankungen auseinandersetzen, die in dieser Alterskategorie auftreten können. Alle Schulen und weiterführenden Ausbildungsinstitutionen, auch die Universität, sollten obligatorisch jungen ADHS-Betroffenen Hilfe anbieten, so wie es für die Sekundarschulen seit 2011 gesetzlich im Rahmen des ‚aménagement raisonnable‘ schon vorgesehen ist.“


„Jungen Erwachsenen müssen dieselben ADHS-Therapien wie Kindern zur Verfügung stehen“